Im August wird es in den Schaufenstern ruhiger, bei den Spielregeln nicht. Zwischen einer EU-Verordnung, die neu festlegt, was als Verpackung gilt, einem verlorenen Rechtsstreit über die wahre Bedeutung von "Made in Italy" und weiteren Halbjahreszahlen zeigt die Woche eines: Wer mit echtem Material arbeitet, fürchtet Kontrollen nicht — er erwartet sie.
Die EU definiert Verpackung neu
Seit dem 12. August gilt die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) uneingeschränkt. Für Bekleidung ändert sich vor allem der Umfang der Definition: Etiketten, Schutzhüllen, Schuhkartons, Dust Bags, sogar mit dem Kleidungsstück verkaufte Kleiderbügel fallen jetzt unter Registrierungs-, Recyclingfähigkeits- und Herstellerverantwortungspflichten.
Der deutsche Textilarbeitgeberverband Südwesttextil spricht offen von einer bürokratischen Last, die sich zu den bereits 2026 geltenden Vorschriften addiert. Keine Ausnahme nach Unternehmensgröße: Wer in die EU verkauft, klein oder groß, muss jetzt auch das Etikett nachverfolgen.
Kering verliert den Rechtsstreit um das "Made in Italy"-Video
Ein Pariser Gericht wies am 9. Juli den Antrag von Kering und Bottega Veneta zurück, Meta zur Entfernung eines viralen Videos zu zwingen, das behauptete, das Label "Made in Italy" dürfe auch dann legal verwendet werden, wenn in Italien nur ein minimaler Arbeitsschritt stattfindet — als Beispiel wurde das Annähen eines Reißverschlusses genannt.
Statt den Urheber des Videos direkt zu verklagen, hatten die beiden Unternehmen das französische Schnellverfahren zur Inhalteentfernung gewählt: Das Gericht wies die Klage aus verfahrensrechtlichen Gründen ab, ohne in der Sache zu entscheiden. Der Fall schließt die Debatte nicht ab, er eröffnet sie neu: Was garantiert ein Etikett wirklich, wenn darüber nicht einmal vor Gericht verhandelt werden kann.
Made in Italy auf der Bühne in Montreal
Vom 17. bis 23. August ist Montreal Gastgeber der zweiten Ausgabe der Tage der italienischen Mode in der Welt, veranstaltet vom italienischen Außenministerium gemeinsam mit über zehn Branchenverbänden — von der Modekammer bis CNA Federmoda. Die von Clara Tosi Pamphili wie eine Theaterszene inszenierte Ausstellung verbindet Mode, Film und Handwerk.
Zu den gezeigten Stücken gehören zwei Originalkostüme aus Fellinis Casanova von 1977. Die Wahl Kanadas als erste Station der internationalen Route 2026 kommt nicht von ungefähr: Sie spiegelt ein wachsendes Interesse an einem Made in Italy, über dessen Bedeutung anderswo noch vor Gericht gestritten wird.
Moncler schließt das Halbjahr im Plus ab
Die Moncler-Gruppe hat ihren Finanzbericht zum 30. Juni 2026 verabschiedet: konsolidierter Umsatz von 1.289,9 Millionen Euro, +9% zu konstanten Wechselkursen. Auf die Marke Moncler entfallen 1.089,6 Millionen, Stone Island wächst um 7% auf 200,3 Millionen.
Ein Ergebnis, das sich in einem schwierigen Luxus-Halbjahr abhebt: Kering etwa schließt mit rückläufigem Gewinn ab, trotz eines sich erholenden zweiten Quartals. Ein Zeichen, dass Disziplin bei den Zahlen — wie bei den Etiketten — niemanden verschont.
Kurz zusammengefasst
Europa weitet die Definition von Verpackung aus und verschärft die Rückverfolgbarkeit. Ein französisches Gericht lässt vorerst offen, was Made in Italy wirklich bedeutet. Italienisches Handwerk tritt in Montreal auf die Bühne. Und Moncler beweist, dass auch das schwierige Luxus-Halbjahr seine Gewinner hat. Unterschiedliche Regeln, dasselbe Prinzip: Man erklärt nur, was man auch beweisen kann.