Eine Saison lässt sich an drei Dingen ablesen: was unterhalb der Taille getragen wird, woraus es gemacht ist und wo man sieht, wie es gemacht ist. Die letzten zwei Wochen zwischen Mailand und Paris beantworten alle drei. Der Frühling/Sommer 2027 fällt leichter aus als erwartet, aber keineswegs nachlässig.
Der Rock ist wieder Hauptfigur
Auf der Mailänder Modewoche war der Rock nicht mehr die Alternative zur Hose. Wie FashionUnited berichtet, bestand eine der Eröffnungskollektionen fast nur aus Röcken: graue Plissees, gerade Schnitte in Grün oder Rot, Krinolinen-Lagen, Blumenmuster, getragen unter Ledermänteln.
Die Neuigkeit steckt in den Materialien. Plissiertes Nylon, das wie Baumwolle wirkt, Baumwolle mit Leder- oder Veloursoptik, sogar Klettverschluss auf Luxusniveau. Schmale, androgyne Silhouetten, fast immer mit Absatz. Die Idee der Kollektion: Der Rock ist ein zeitgenössisches Objekt, weil er flexibel und anpassungsfähig ist.
Paris arbeitet mit Luft
In Paris lautet das Wort der Woche Leichtigkeit. In der Bilanz von The National vom 6. Oktober dominieren Organza, Seidenmousseline und transparente Stoffe, dazu fließende, asymmetrische Schneiderkunst, Slips und Kleider mit dünnen Trägern. Luft wird zum Material.
Für Einkäufer geht es nicht um Transparenz, sondern um Gewicht: Teile, die wenig wiegen und sich gut schichten lassen, von der Übergangszeit bis in den Sommer. Ein leichter Stoff verzeiht weniger, und zeigt deshalb sofort, wer ihn verarbeitet hat.
Handwerk zum Anschauen
Ebenfalls laut The National zählten in Paris Identität und Handwerk mehr als Spektakel. Couture-Techniken erreichen die Alltagskleidung, sichtbare Nähte gibt es sogar im Prêt-à-porter, neben perforiertem Veloursleder und offenen Strickstrukturen.
Zu den genannten Materialien gehören recyceltes Polyester und im Labor gezüchtete Wolle, laminierter Jersey und Wet-Look-Oberflächen. Ein klares Signal: Modernität misst sich daran, wie ein Kleidungsstück gebaut ist, nicht nur an seiner Oberfläche.
Lineapelle blickt auf den Winter 2027/28
Im September versammelte Lineapelle vom 15. bis 17. September mehr als tausend Aussteller auf der Fiera Milano Rho. Das Fashion Committee zeigte die Trends für Herbst/Winter 2027/28 unter dem Titel „Prompt – Seductive Algorithms: The Illusion of Sweetness“.
Im Programm standen außerdem Gespräche zu Materialforschung, Rückverfolgbarkeit und Nachhaltigkeit, mit den Messen Simac Tanning Tech und FILO für Maschinen und Garne. Es ist die unsichtbarere Seite der italienischen Mode, dort beginnen die nächsten Saisons.
Kurz gesagt
- Der Rock führt Mailand an: neue Materialien, schmale Formen.
- Paris setzt auf Leichtigkeit: Organza, Mousseline, Transparenz.
- Sichtbare Nähte sind die neue Handschrift: Handwerk gehört zum Stil.
- Lineapelle hat den Weg in den Winter 2027/28 bereits geöffnet.